08.01.2015 09:51 Alter: 3 yrs

Werkzeugmaschinenbauer Raster macht in Zeulenroda nach Insolvenzantrag weiter

Nach dem Insolvenzantrag wird an Lösungen gearbeitet. Auch im neuen Jahr werde bei Raster-Zeulenroda weiter produziert. Wegen der rückgängigen Auftragssituation stehen Entlassungen an.


Zeulenroda-Triebes. Maßgeschneiderte Leistungen aus einer Hand sind ein Alleinstellungsmerkmal von Raster-Zeulenroda Werkzeugmaschinen, die Pressen und Stanzautomaten herstellen. Maßgeschneidert wird derzeit auch eine neue Struktur für das Unternehmen, das am 27. Oktober einen Insolvenzantrag stellte.

Die Gründe dafür sind Geschäftsführer Alexander Dörmann klar: "Wir haben in den vergangenen Jahren nicht erfolgreich genug produziert. Außerdem gab es zwei große Verlustaufträge in 2012 und 2013", erklärt Dörmann und fügt energisch an: "Wir müssen Strukturen nun optimieren, um effizient herstellen zu können."

Die Wurzeln des Unternehmens liegen im Jahr 1868 und diese Wurzeln sollen sich weiter entfalten. 2002 gab es bereits ein Insolvenzverfahren. Vom damaligen Insolvenzverwalter habe die Familie Dörmann das Unternehmen Ende 2007 gekauft. "Wir haben strukturelle Veränderung nicht energisch genug angefasst. Das müssen wir nun tun", zeigt der Geschäftsführer auf.

Probleme wurden erkannt aber nicht abgestellt

Bei der Frage nach dem "Wie" soll Interim-Manager Christian Kettler helfen. Er hat sich mit dem Unternehmen, den technischen Abläufen und Prozessen vertraut gemacht und sieht die Problematik in der konsequenten Umsetzung: "Das Dilemma ist, dass Probleme zwar erkannt wurden, aber nicht der nötige Weg gegangen wurde, um diese abzustellen."

Deswegen gelte es jetzt umso mehr, klare Strukturen sowie Transparenz zu schaffen, um den Wirkungsgrad der Arbeit zu steigern. "Im Prinzip ist es wie ein Kartenhaus, dass nicht zusammenfallen soll", meint Kettler und signalisiert damit: Die Maßnahmen, die am dringendsten sind, werden nun angegangen aber immer mit Bedacht und Augenmaß, welche Konsequenzen damit im Gesamtzusammenhang verbunden sind.

Es müsse zum Beispiel genau geschaut werden, wo Produktionsabläufe verbessert werden können, damit es auf dem Weg zur Fertigstellung zu keiner Verzögerungszeit mehr komme und Produkte dann auch fristgerecht an Auftraggeber ausgeliefert werden können.

Unter verschärften Bedingungen müsse nun "ein besserer Job" gemacht werden. Dazu seien auch Arbeitsgruppen gebildet worden. Ein Erfolg habe sich schon einstellen können: "Wir haben eine deutlich stabilere Auflage bei abzuarbeitenden Aufträgen", erklärt Kettler.

Die Rettung des Unternehmens erscheine Kettler deswegen auch so plausibel, weil "die Belegschaft und das Produkt gut sind". Das sei eine Basis, auf der sich aufbauen lasse. "Das Unternehmen definiert sich über das Know-how in den Köpfen der Mitarbeiter", meint er.

Dem stimmt auch Rolf Rombach, der vorläufige Insolvenzverwalter, zu. Seine Aufgabe sei es, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten, neue Strukturen vorzubereiten und auch schon umzusetzen. Dazu habe er sich ebenfalls mit dem Unternehmen vertraut gemacht.

Guter Name und Qualitätsprodukt

Innerhalb weniger Stunden habe festgestanden, dass der Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten bleiben kann. "Raster verfügt über einen sehr guten Namen und Qualitätsprodukt", sagt Rombach. Viele Maschinen seien auf dem Markt - nach eigenen Angaben der Firma seien es rund 60.000 aus der hauseigenen Produktion. "Die Kunden wünschen sich, dass Raster auf dem Markt bleibt. Das ist eine gesunde Basis", erläutert Rombach. Mit dem Einsatz von Kettler sei eine der wichtigsten Maßnahmen eingeleitet worden.

110 Mitarbeiter sind derzeit bei Raster beschäftigt. "Durch die zurückgehende Auftragssituation müssen auch personelle Anpassungen geschehen", erklärt Dörmann. Heißt konkret: Entlassungen. Das Unternehmen könne derzeit aber noch keine Angaben machen, wieviele Mitarbeiter entlassen werden. Sicher sei aber auf jeden Fall: Zum 1. Januar werde es weiter gehen und das soll auch ein positives Signal für die Belegschaft sein. "Es geht nun darum, das nächste Quartal abzusichern. Da muss jeder anpacken", sagt der Geschäftsführer. Die Arbeitszeiten seien während des Insolvenzverfahrens gleich geblieben.

Dass die Mitarbeiter "mit anpacken" wollen, bestätigt der Raster-Betriebsratvorsitzende Nicky Wuckelt. Natürlich sei die Stimmung momentan "gedrückt", erklärt er und fügt an: "Wie hoch der Stellenabbau ist und wer davon betroffen ist, wissen wir noch nicht." Derzeit befinde man sich im entsprechenden Anhörungsverfahren zum Interessenausgleich und Sozialplan. Doch als Betriebsrat sei man ständig bemüht: "Wir kommen so lange zusammen, bis eine Einigkeit gefunden ist. Übrigens haben wir eine sehr gute Unterstützung von IG Metall", erzählt Wuckelt und macht auch deutlich: "Die Belegschaft steht voll zur Firma". Jeder habe ein Interesse, seine Arbeit zu behalten und jeder wolle versuchen, einen Anteil zur Weiterführung von Raster-Zeulenroda zu leisten.

Kriterien für Übernahme des Unternehmens

"Wir führen einen Investitionsprozess durch", sagt Rombach und rechnet damit, dass im ersten Quartal 2015 ein Investor gefunden sein wird, der den Geschäftsbetrieb übernehme. Dieser werde dann das Unternehmen vom Insolvenzverwalter, sprich Rombach, übergeben bekommen. Rombach gibt zu bedenken: "Nicht das finanziell höchste Angebot ist auch das beste".

Es gebe mehrere Kriterien. Ein Faktor sei die Standortsicherheit. Das Unternehmen müsse in Zeulenroda bleiben. Ein weiteres Kriterium sei die Übernahme der Mitarbeiter. Dann schlage noch der Kaufpreis zu Buche. Ein interessierter Investor, so erklärt Rombach, müsse vorab ein Gesamtkonzept vorlegen.

Das Unternehmen sei sich auch bewusst, wie groß die Spannungen zwischen Geschäftsleitung und Belegschaft seien. Mit dem Insolvenzverfahren seien persönliche Katastrophen mit einer unklaren Zukunft verbunden.

In der Belegschaft gebe es für das Unternehmen ein hohes Ansehen, betont auch Stefan Wagner, Assistent der Geschäftsführung noch einmal: "Die Mitarbeiter stehen geschlossen hinter Raster."